Das Kundalini-Experiment, Teil 1

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International Yoga Festival Rishikesh
International Yoga Festival Rishikesh

In der ersten Kundalini-Yoga-Stunde meines Lebens fühlte ich mich, als sei ich in einer merkwürdigen Sekte gelandet. Ungefähr 200 Leute, die meisten in weiß und mit Tüchern um den Kopf gewickelt, hatten sich am Ufer des Ganges versammelt. Dann erschien Gurmukh. Erscheinen trifft es wirklich. Die zierliche Frau mit juwelenbesetzten Turban schwebte, umflattert von einer Schar elfenhafter Assistentinnen zum Podium und ließ sich auf einem Thron aus Schafsfellen nieder.

Gurmukh Kaur Kalsa
Gurmukh Kaur Kalsa

Dann allerdings trieb sie uns durch die Stunde, Drill-Instruktor und Predigerin in einer Person. Hechelnde ‚Feueratmung’, endlos wiederholte Bewegungen, mehr, mehr, mehr, durchhalten. Nach zehn Minuten drohen die Arme über dem Kopf abzufallen? Es ist nur dein Geist, der das glaubt. Das ist nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist, dass du alles kannst, wenn du nur willst. Kundalini ist rauschhafte Grenzüberschreitung. Wir stöhnen, singen, tanzen, fallen uns in die Arme. Am Ende der Stunde bin ich erschöpft, habe gelacht und geweint und mich schwindlig gedreht. Alle weiteren Tage des Yogafestivals in Rishikesh pilgere ich in Gurmukhs Stunde und werde das Gefühl nicht los, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht.

Zurück in Berlin besuche ich einmal eine Kundalini-Stunde, aber der Rausch von Rishikesh lässt sich nicht wiederholen.
Kundalini-Anhänger bezeichnen ihre Yoga-Richtung als „Wissenschaft“ oder „Technologie“. Für jede Lebenslage und jedes Alltagsproblem von Angstzuständen bis Geldnot gibt es eine passende „Kriya“ – eine klar beschriebene Kombination aus Atem, Bewegung – begleitet von Mantras. 40 Tage lang täglich wiederholt und das Problem ist gelöst. Ich kann nicht glauben, dass es so einfach sein soll.
„Zu glauben, dass es schwierig sein muss, ist ein mentales Muster“, erklärt mir Guru Jagat. Mit Yogastudios in Los Angeles, New York und Mallorca, eigenem Fernsehsender und eigener Musikproduktionsfirma ist die 39jährige so etwas wie der Rockstar der Kundalini-Szene. Hollywoodstars schwören auf sie. http://www.happster.de/guru-jagat/
„Viele von uns hängen sehr an ihrem Leiden.“
Ich fühle mich ertappt, hänge ich an meinem Leiden? Ist es tatsächlich ganz einfach, ein tiefenentpannter, energiegeladener, glücklicher Mensch zu sein, wie Kundalini-Anhänger versprechen?
Ich beschließe, es auszuprobieren. Da es sehr klare und eindeutige Anweisungen gibt, die eindeutige Ergebnisse versprechen, sind quasi wissenschaftliche Voraussetzungen für den Selbstversuch geschaffen.
Gegen innere Unruhe, Depression und Angstzustände empfiehlt Guru Jagat mit die ausgleichende Vier-Phasen-Atmung.
„Diese Übung“, heißt es in ihrem Buch Unbesiegbar leben „setzt dieReaktionsbereitschaft deines Hormonsystems auf Normalmaß zurück, so dass du dann nicht immer wieder das alten Leid und Unglück in deinem Leben heraufbeschwörst.“
Klingt gut, damit werde ich anfangen. http://www.happster.de/atemuebung/

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