Die Glücksphantasie

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Die Glücksphantasie der 60er-Jahre, gegründet auf die optimistische Annahme, dass jeder in der Lage sei, sein Potenzial zu verwirklichen, ist zur grausamen Doktrin geworden, strategisch eingesetzt, um Ungleichheit im zeitgenössischen Kapitalismus aufrecht zu erhalten und zu rechtfertigen. So die These von Carl Cederströms neuem Buch  „The Happiness Fantasy.“
Die phantastische Vorstellung, dass jeder in der Lage ist, sein Leben zu gestalten und sein volles Potenzial zu entfalten, zentrales Anliegen der Gegenkultur der 60er-Jahre, ist zur Falle geworden. Der einst revolutionär zelebrierte Hedonismus wurde zur kulturellen und moralischen Rechtfertigung des Kapitalismus.
Menschen kämpfen nicht mehr für das Recht, sich auf narzisstische Weise mit sich selbst zu beschäftigen, sie sind dazu gezwungen, da sie sich permanent selbst promoten müssen. Heute geht es weniger darum, dein volles Potenzial leben, als darum es zu  vermarkten.
„Der Kapitalismus war sehr erfolgreich darin, das Leben als individuelles Streben zu verkaufen, aber das ist eine Lüge“, sagt der Organisationsforscher.
Das Streben nach einem authentischem Leben und persönlicher Freiheit wurde zum Verkaufsschlager umgemünzt – und was wir für Glück halten in Wirklichkeit eine Marketingtrick, der uns zu braven Konsumenten macht.
In einer Kultur, in der es in erster Linie um die Befriedigung individueller Wünsche geht, ist Glück nicht wirklich möglich, so Cederström.
„Es ist nicht wirklich möglich das Glück von heute mit dem von vor 50 oder 100 Jahren zu vergleichen, aber dieses manische Streben nach individueller Befriedigung und die Vorstellung, dass immer mehr Dinge zu kaufen und anzuhäufen uns glücklich macht, hat die Welt extrem ungerecht gemacht und meiner Meinung nach dafür gesorgt, dass die Menschen sich leer und unzufrieden fühlen.“
Cederströms Fazit: Anstatt uns obsessiv an der Selbstoptimierung abzuarbeiten, könnten wir mehr Verletzlichkeit zulassen und uns um mehr Gleichheit, Gemeinschaft und Empathie bemühen. „Vielleicht sollten wir uns aus unseren Köpfen heraus bewegen und mehr in der Welt präsent sein.“

 

 

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