„Es gibt keine glücklichen Arschlöcher“

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The Happy Movie

In einer Sache ist sich Eiji Han Shimizu ganz sicher „There are no happy assholes in the world.“ Und er muss es wirklich wissen. Über sechs Jahre hat der japanische Filmproduzent auf der Suche nach dem Glück die Welt bereist. Er hat Wissenschaftler wie den Pionier der positiven Psychologie Ed Diener und die Glücksforscherin Sonja Lyobomirski ebenso befragt wie eine alleinerziehende Mutter in Dänemark und Buschmänner in der Serengeti. Ergebnis seiner Reise ist der Dokumentarfilm „Happy“. Und sein eigenes Glück. „Ich habe diesen Film gemacht, weil ich nicht glücklich war“, erzählt er, als er seinen Film auf dem Agape Zoe Healing Arts Festival in Berlin präsentiert. Dabei habe er alles getan, was in seiner Heimat Japan als Rezept für ein gelungenes Leben angeraten wird. Er war ein guter Schüler und fleißiger Student, bekam einen gut bezahlten Job, konnte sich eine schöne Wohnung leisten und coole Klamotten. Glücklich machte ihn das aber nicht. Eines Tages in der U-Bahn wurde ihm das schlagartig bewusst. Er stand im Gedränge als ein alter Mann, der offenbar krank war, gegen ihn taumelte. Anstatt Mitgefühl empfand er Ekel. „Plötzlich sah ich mein Spiegelbild in der Scheibe und erschrak. Ich sah ein böses Gesicht.“ Einige Zeit später fragte ihn ein in den USA lebender Freund, ob er mit ihm einen Film über das Glück machen wolle und er sagte zu.

Happy Movie

Was sie herausfanden, ist, dass Geld und Status, nicht allzu viel zu unserem Glück beitragen. Der Rikshafahrer im Bombayer Slum ist nicht unglücklicher als der Durchschnittsbürger in den reichen USA. Was Menschen wirklich glücklich macht, ist überall auf der Welt dasselbe: gute soziale Beziehungen und das Engagement für eine irgendwie geartete gute Sache, irgendetwas, das über den eigenen Vorteil hinausgeht und einem das Gefühl von Sinn vermittelt. Das kann Religion sein, aber auch so etwas Banales wie das freiwillige Müllaufsammeln im Park. Ganz entscheidend ist das, was Eiji selbst verloren gegangen war: Mitgefühl. Es mag paradox klingen, ist aber wissenschaftlich erwiesen: wer Mitgefühl mit anderen Menschen hat, wird selbst glücklicher. In diesem Sinne ist auch der Satz mit den Arschlöchern zu verstehen. Glück im Sinne von Vergnügen haben diese sicherlich auch, nachhaltiges Glück, das einem erfüllten Leben entspringt eher nicht. Und Mitgefühl lässt sich trainieren, zum Beispiel durch die Metta („Liebende Güte“) Meditation aus der buddhistischen Tradition. (Hier könnte Ihr sie ausprobieren https://www.youtube.com/watch?v=a7xLNChmojI)
Was Eiji für sich selbst herausgefunden hat, ist, dass er mehr Zeit damit verbringen möchte, nach innen zu schauen – und dass Tokio nicht der beste Ort dafür ist. Heute lebt er in Ubud und unterrichtet Meditation. Sein Rat an jeden einzelnen von uns: „Train your eyes to see the beauty.“

http://www.thehappymovie.com

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